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Urlaub!

Liebe Leute,

dies ist Eintrag 91. Ich möchte gerne 100 Beiträge in diesem Blog geschrieben haben, bevor ich ihn deaktiviere. Das Gute daran ist: Es geht tatsächlich ein bisschen weiter mit dem Thema Brasilien: Mitte September werde ich auf dem Lusitanistentag in Hamburg einen Vortrag halten, Mitte Oktober fahre ich zur Buchmesse nach Frankfurt, auf der Brasilien der Ehrengast sein wird und Ende Oktober machte ich die CELPE-Prüfung. Die fehlenden 9 Einträge werden also zumindest grob im Thema bleiben.

Gerade sitze ich aber erst einmal völlig fern alles Brasilianischen in Jerusalem und genieße meine Ferien nach 3,5 super-intensiven Wochen Jugendkurs des Goethe-Instituts. Die Jugendlichen waren angenehm und das Team super, was leider dazu führte, dass wir jeden Abend bis 1 Uhr zusammen saßen und somit der Schlaf noch etwas mehr verkürzt wurde. In Israel bleibe ich jetzt noch bis 11. September, bevor ich dann nach Hamburg fahre.

Ich freue mich auf die freie und ruhige Zeit danach und darauf, euch endlich alle wiederzusehen. Fühlt euch umarmt und ein wenig Sonne sende ich auch. Auf bald!

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Noch 5 Tage

Nun sind es noch 5 Tage bis zu meiner Abreise und die letzten Momente hier im Ceará werden von Tag zu Tag besser. Am Samstag habe ich abends mit Thiago am Strand gesessen und den Sonnenuntergang angeschaut. Und als ich da so saß, dachte ich, dass die Stadt ja eigentlich doch ganz schön ist und ihren Charme hat. Es war sicherlich ein schwieriges Jahr mit vielen Hindernissen und Rück-/Niederschlägen, aber es war auch ein schönes Jahr und es hat mich mehr geprägt, als ich es mir hätte vorstellen können.

Am Sonntag war ich mit Ute am Strand und habe somit einen letzten Badeausflug unternommen. Zum Mittagessen überreichte Ute mir dann ihr Abschiedsgeschenk: Einen Kugelschreiber und einen Schlüsselanhänger aus Holz sowie einen Holzschnitt der Casa de Cultura. Gegen 17 Uhr fuhren wir auf eine Hochzeit, die 18 Uhr beginnen sollte, tatsächlich aber erst gegen 19:40 begann. Es gab leckeres Essen und ein kleines Handtuch für die Gäste. Leider fehlte die Musik, aber die Braut war wunderschön und der Abend unter dem Vollmond ein schöner Abschluss des letzten Wochenendes.

Heute nach den Prüfungen gab es noch ein kleines Abendessen mit einigen Leuten von der Uni (Fachbereich Geschichte) und auch am Mittwoch und am Donnerstag werde ich die Abende mit Abschiedspartys verbringen. Heute hatte ich mich noch von den beiden Hilfskräften im Lektorat verabschiedet und meine mündlichen Prüfungen abgenommen, als Ute anrief und mich noch einmal zurück ins Lektorat bat. Da standen die beiden nun noch einmal mit einem Geschenk für mich: Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Auch wenn ich den Ceará verlassen muss, so wird der Ceará doch immer in meinem Herzen bleiben“. Das war eine wunderschöne Überraschung, denn damit hatte ich nun wirklich absolut gar nicht gerechnet.

So sieht es aus. Die letzten 5 Tage haben begonnen und meine Gefühle schwanken hin und her. Ab Sonntag bin ich wieder in Deutschland und bereit für neue Abenteuer! Mit einem kleinen Stück Ceará im Herzen. Denn: Saudade, das ist die Liebe, die bleibt.

Am Mittwoch gab es im Rahmen des Deutschlandjahres in Brasilien ein Brahms-Recital im Theater. Ich habe mit meinen Studenten 20 Minuten Unterricht gemacht und dann brachen wir in Richtung Zentrum auf – die Studenten mit dem Auto und der Lehrer mit dem Bus (…). Als Thiago und ich im Zentrum nach dem Weg fragten, meinte der Verkäufer noch: „Seid ihr Gringos? Seid bloß vorsichtig – das Zentrum ist gefährlich!“. Thiago war natürlich völlig erboßt darüber, als waschechter Nordestino für einen Gringo gehalten zu werden; ich fand es eher amüsant.

Das Recital war sehr schön – Mezzosopran, Piano und Bratsche. Auf der Rückfahrt nahmen Thiago und ich dann ein Taxi, ich stieg eher aus und er fuhr noch weiter. Danach erfuhr ich, dass der Taxifahrer fragte, woher wir kämen und als Thiago sagte, dass ich Deutscher sei, fiel dem Fahrer die Kinnlade nach unten und er lobte mein Portugiesisch in höchsten Tönen. Das ist doch mal was – von einem Taxifahrer gelobt zu werden! Normalerweise sind Taxifahrten die schlimmsten Sprechanlässe überhaupt – die Fahrer kriegen die Zähne nicht auseinander, sprechen ihr dialektal geprägtes Taxi-Pidgin und riechen einen Gringo auf 5 Kilometer Entfernung. Ich ging also glücklich und zufrieden schlafen und am nächsten Tag an den Strand.

Am Samstag waren wir dann noch in einem Film: „Ich, einfach unverbesserlich 2“. Die Schlage an der Kinokasse hatte eine Durschnittshöhe von 1,20 Meter und unsere ohnehin schon starke Beschämtheit wurde noch gesteigert, als eine Frau uns fragte, ob wir tatsächlich in der richtigen Schlange stehen „Die hier ist für den Saal 2, wisst ihr?“. Naja, wir haben dann einen imaginären Bruder/Neffen/Sohn erfunden, mit dem  wir den Film sehen wollten, der uns aber leider abhanden kam. Schließlich schlossen wir noch Freundschaft mit einem 5-jährigen, der uns sein Popcorn anbot und das ganz komisch fand, dass ich nicht aus Brasilien komme. Der Film war sehr lustig und am lautesten im ganzen Saal hat eigentlich Thiago gelacht, nicht etwa die Horde Halbstarker, die uns umgab. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Zusammenfassend: Ein Taxifahrer fand mein Portugiesisch gut, ein 5-jähriger hat sich hinter seinem Papa versteckt, als ich mit ihm reden wollte. Ich denke, damit kann ich leben 😉

Letzte Woche gab es einen Feiertag am Donnerstag, da ein Spiel in Fortaleza stattfand und der Verkehr beruhigt werden sollte. Am Abend davor spielte Brasilien in Belo Horizonte. Allerdings fällt mein Deutschkurs auch auf den Mittwochabend, sodass meine Schüler in schwere Prioritätskrisen fielen. Doch die Univerwaltung half ihnen aus: Ab 14 Uhr blieb die Uni geschlossen, damit alle in Ruhe dem Spiel beiwohnen konnten, schließlich war es das Halbfinale…

 

Am Freitag war ich nach dem Unterricht mit Thiago in einem Theaterstück, in dem ein Schüler von mir mitspielt: Noites de Núpcias, Hochzeitsnächte. Es war ein wirklich tolles Stück, emotional gespielt und mit unerwartetem Ende. Vor dem Theater fand zufällig auch eine festa de São João statt, das Mittsommerfest (Sommersonnenwende), mit vielen Maisgerichten, bunten Wimpeln und fröhlicher Musik. Wir saßen noch eine Weile im Getümmel und genossen die Atmosphäre, bevor wir uns vom Taxi nach Hause bringen ließen.

Gestern war schließlich der Empfang auf der Meteor. Es regnete den ganzen Tag in Strömen, erst gegen Abend ließ der Regen nach und die Wolkendecke lichtete sich. Die Besatzung des Schiffes und die Wissenschaftler waren allesamt sehr nett und das Essen hat hervorragend geschmeckt. Es gab deutsches Bier (Jever) und schottischen Whisky. Spontan packte mich eine extreme Lust, an Bord zu bleiben und mich als Matrose zu verdingen. Leider wurde das von Seiten meiner Arbeitgeber nicht genehmigt, sodass ich nun doch noch wie geplant die letzten vier Wochen unterrichten werde und dann auf ganz klassischem Weg mit dem Flugzeug nach Deutschland zurück reise. Nicht so ein Abenteuer wie eine Schiffsreise nach Namibia, aber eben auch um einiges komfortabler.

Krawalle und Proteste

Gut, nun muss ich wohl so langsam aber sicher auch mal etwas zu den Dingen schreiben, die gerade hier in Brasilien passieren. Gestern gab es in Fortaleza, wie in allen anderen großen Städten des Landes auch, eine große Demonstration. Die Proteste richten sich gegen die Prioritäten, die die Regierung bei ihren Ausgaben setzt, vor allem im Zuge der WM und der olympischen Spiele.

Hier in Brasilien fehlt es an einer Wertschätzung der Bildung, es fehlt an Krankenhäusern, es fehlt an Infrastruktur. Gerade gab es eine Ausschreibung für junge Lehrer: 40 Stunden die Woche in einer öffentlichen Schule (wo auch gerne mal mit Steinen geworfen wird oder Kinder direkt vor der Schule überfallen und verletzt oder getötet werden) für knapp 1000 Euro im Monat. Es geht hier nicht um eine Erhöhung des Buspreises in São Paulo um 7 Cent, wie das zum Beispiel Spiegel online nachlässigerweise veröffentlicht hatte, es geht darum, dass Milliarden in 12 riesige Fußballstadien investiert werden, wenn es aber um die Sicherheit in den Städten und um die Bildung und Gesundheit der Bürger geht, fehlt das Geld. Es geht um eine extreme Inflation und darum, dass die Polizei mit äußerster Brutalität gegen Bürger vorgeht und sogar den Ruf hat, zu töten. Und es geht um Korruption und darum, dass die Medien von GLOBO dominiert werden, die regelmäßig eine verzerrte Berichterstattung betreiben um die Proteste in einem falschen Licht dastehen zu lassen.

Im Schatten der Proteste wurde heute außerdem (von der Menschenrechtskomission) ein Gesetz verabschiedet, dass Homosexualität wieder als Krankheit definiert, 60 Jahre nachdem es aus den internationalen Listen psychischer Störungen gestrichen wurde. So wird es Psychologen und Psychotherapeuten freigestellt, die Homosexualität ihrer Patienten zu „behandeln“. Das Gesetz muss zwar noch durch zwei weitere Kammern und wird dort hoffentlich zurückgehalten, doch dass im Rat für Menschenrechte einer großen Industrienation (so sieht sich Brasilien gern selbst) etwas derartiges überhaupt möglich ist, ist erschreckend. Federführend ist hier übrigens Marco Feliciano, ein Pastor der Assembleia de Deus und Präsident der Komission.

Wie in so vielen Protestbewegungen der heutigen Zeit helfen die sozialen Massenmedien den Demonstranten, sich zu koordinieren. Morgen wird es in Fortaleza das Spiel Brasilien gegen Mexiko geben und es werden große Protestaktionen erwartet. Facebook ging heute Abend vom Netz. Das Busticket hier in der Stadt, mit dem man innerhalb von 120 Minuten so oft man möchte umsteigen kann, verlor gestern für den Zeitraum der Proteste seine Gültigkeit, damit die Regierungskritiker in ihrer Beweglichkeit gehemmt werden. Viele meiner Freunde und Bekannten unterstützen den Protest, atmen auf, dass sich die Brasilianer endlich rühren. Was nun daraus wird, bleibt abzuwarten, aber ich wünsche allen hier in Brasilien, dass die längst überfälligen Proteste friedlich verlaufen und dennoch Wirkung zeigen.

Mörder Ahoi?!

Da bei euch das Wetter ja momentan auch gut ist, muss ich davon sicher nichts schreiben. Hier regnet es momentan viel, sodass wir eher eine Art Waschküchenklima haben…

Am Freitag habe ich es mir bei Austern gut gehen lassen 🙂 und gestern war ich noch ein wenig auf einer Art Trödelmarkt einkaufen. Heute folgte ein ruhiger Sonntag, der eine ruhige Woche ankündigt, da am Mittwoch das erste Spiel des Confederations Cup hier in Fortaleza stattfinden wird und deshalb ein Feiertag geschaffen wurde (!) und man besser nicht vor die Tür gehen sollte, wenn man nicht ins Stadion will. Da ich donnerstags sowieso frei habe, werde ich also zwei bis drei sehr ruhige Tage zu Hause verbringen können.

Am Freitag, den 28. Juni kommt das Forschungsschiff Meteor nach Fortaleza und der Kapitän hat zu einem Empfang geladen. Ich musste schon meine Ausweisnummer melden und fühle mich gerade wie Miss Marple zu Beginn von „Mörder Ahoi!“, als sie durch die Stadt marschiert, auf der Suche nach einem seetauglichen Matrosenoutfit. Erinnert sich jemand?

In diesem Sinne: Macht die Leinen los und setzt die Segel! Ich gehe an Bord des FS Meteor 😉

Ata!

Heute habe ich eine neue Frucht kennengelernt: Ata. Sehr sehr lecker!  Man öffnet sie und lutscht die Kerne ab. Das ganze sieht dann so aus:

ata